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TANZ & THEATER: Du liebst mich nicht

«Mein fantastischer Ort ist sozusagen der nächstgelegene enganliegende Arsch. Der ist für mich unerreichbar wie der Mond.» Hermes Phettberg macht's vor: Gerade wenn das Begehren aussichtslos ist, muss es sich schamlos äussern. Auch die Sehnsuchtsorte in Schuberts Wandererfantasie und Saties Vexations sind eigentlich nur durch ein Wunder zu erreichen. «To fall in love», schlägt Slavoj Zizek vor und meint es bodenlos wörtlich. Oder durch eine inszenierte Mondlandung, mit an Bord Nancy und Frank Sinatra «And then I go and spoil it all by sayin' somethin' stupid, like I love you.»

Lena Girard und Andreas Thierstein verbrachten im Sommer 2016 eine Woche im Literaturcafé Biel. Dort steht ein alter Wiener Flügel umgeben von Büchern. Sie nahmen ein paar Noten und Spielzeuginstrumente mit und begannen mit Spielen und Lesen. Später verdichteten die beiden diese Woche zu einem einstündigen Programm. Die Uraufführung von Du liebst mich nicht, so dessen Titel, fand im Herbst am Ort seiner Entstehung, im Literaturcafé Biel statt.

Der Abend beginnt mit den legendären Vexations, welche Erik Satie unmittelbar nach der Zurückweisung seiner Zuneigung zu einer Freundin komponierte. Die wenigen Takte Musik, denen harmonisch völlig der Boden unter den Füssen weggezogen scheint, können nach Anweisung des Komponisten 840 Mal, also gefühlt endlos, wiederholt werden. Während unserer Version werden die durch ein Tuch verdeckte Pianistin und ihr Instrument enthüllt.

Das Klavier ist an diesem Abend mehr als nur ein Instrument; die Spielfläche konzentriert sich neben den Tasten auf die Oberseite, den Saitenkörper und den Klavierstuhl – die Bühne zieht sich auf Grundfläche des Instruments zurück. Bis auf den Schluss sind es auch nicht so sehr die beiden Performer, die interagieren. Vielmehr bespielen sie je einzeln das Klavier, bauen im Verlauf des Programms ihre Art der Hinwendung zu ihm auf, die, man ahnt es, nur enttäuscht werden kann. Erst ganz am Ende kommt es in einer ungelenken Tantra-Stellung zu einer Umarmung der Pianistin und ihres Partners, frei nach einem weiteren Sinatra-Song: Nächster Halt Mond.

Galerie/Türe/Bar: 19:00 Uhr

Eintritt: Fr. 25.00 / 15.00

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